Orkney-Inseln: Steinzeit, Klippen und Fähren
Ein Freilichtmuseum der Jungsteinzeit vor der Nordküste: Steinkreise, ein 5.000 Jahre altes Dorf, eine Kathedrale aus der Wikingerzeit und Klippen voller Seevögel.
Nur eine kurze Fährfahrt trennt das schottische Festland von einer anderen Welt. Die Orkney-Inseln sind flach, grün und baumarm, das Licht ist weit und der Wind fast immer zu spüren. Was sie besonders macht, ist ihre Geschichte: Nirgendwo in Nordeuropa sind so viele Bauwerke der Jungsteinzeit so gut erhalten. Dazu kommen Spuren der Wikinger, eine mittelalterliche Kathedrale und Klippen, an denen im Frühsommer Tausende Seevögel brüten.
Lage und Geschichte
Der Archipel besteht aus rund 70 Inseln, von denen etwa 20 bewohnt sind. Die größte heißt schlicht Mainland, auf ihr liegen der Hauptort Kirkwall und der Hafenort Stromness. Im Süden ist Mainland über Dämme mit mehreren kleineren Inseln verbunden, im Südwesten liegt die bergige Insel Hoy.
Orkney war über Jahrhunderte nordisch geprägt. Wikinger besiedelten die Inseln, und erst im 15. Jahrhundert kamen sie im Zuge einer Mitgift unter schottische Herrschaft. Ortsnamen, Dialekt und viele Traditionen zeugen bis heute davon.
Das Herz der Jungsteinzeit
Vier Stätten auf Mainland sind gemeinsam als Heart of Neolithic Orkney Teil des UNESCO-Welterbes. Sie liegen nah beieinander und lassen sich an einem Tag besuchen.
Skara Brae ist ein Dorf aus der Jungsteinzeit an der Bucht von Skaill. Ein Sturm legte die Steinhäuser im 19. Jahrhundert frei. Sie sind rund 5.000 Jahre alt und so gut erhalten, dass Herdstellen, Betten und Regale aus Steinplatten noch zu erkennen sind. Ein Besucherzentrum mit nachgebautem Haus erklärt das Leben damals.
Der Ring of Brodgar ist ein großer Steinkreis auf einer Landenge zwischen zwei Seen. Von den ursprünglich wohl rund 60 Steinen steht heute noch ein Teil, genug, um die Größe des Kreises zu erahnen. In der Nähe ragen die Standing Stones of Stenness auf, wenige, aber auffallend hohe Steinplatten.
Maeshowe ist ein Kammergrab unter einem Grashügel. Sein Gang ist so ausgerichtet, dass um die Wintersonnenwende das Licht der untergehenden Sonne bis an die Rückwand fällt. Im Inneren haben Wikinger im 12. Jahrhundert Runeninschriften hinterlassen. Der Besuch ist nur mit Führung möglich.
Zwischen diesen Stätten wird seit Jahren an der Ness of Brodgar gegraben, einem großen Komplex aus der Jungsteinzeit, der das Bild dieser Epoche verändert hat.
Kirkwall und Stromness
Kirkwall wird von der St Magnus Cathedral überragt, die im 12. Jahrhundert begonnen wurde. Ihr rot und gelb gestreifter Sandstein macht sie zu einem der schönsten Kirchenbauten Schottlands. Daneben liegen die Ruinen des Bischofspalastes und des Earl’s Palace.
Stromness ist ein Hafenort mit einer einzigen langen, gepflasterten Hauptstraße, an der die Häuser direkt ans Wasser grenzen. Hier legt die Fähre aus Scrabster an.
Italian Chapel und Scapa Flow
Im Süden von Mainland liegt die Bucht Scapa Flow, im Ersten und Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt der britischen Flotte. Zum Schutz wurden im Zweiten Weltkrieg Dämme zwischen den Inseln gebaut, die Churchill Barriers, über die heute die Straße führt. Auf der kleinen Insel Lamb Holm bauten italienische Kriegsgefangene aus zwei Wellblechbaracken eine Kapelle, die Italian Chapel, deren bemaltes Inneres viele Besucher überrascht.
Klippen und Seevögel
Die Westküste von Mainland ist steil. Bei Yesnaby stehen Felsnadeln vor hohen Klippen, bei Marwick Head brüten im Frühsommer zahlreiche Seevögel. Auf Hoy ragt der Old Man of Hoy als einzelne Felssäule aus dem Meer, gut zu sehen von der Fähre zwischen Scrabster und Stromness. Die kleine Gezeiteninsel Brough of Birsay im Nordwesten ist nur bei Ebbe zu Fuß erreichbar. Achten Sie dort unbedingt auf die Gezeitenzeiten.
Die kleineren Inseln
Wer mehr Zeit hat, setzt mit den Inselfähren auf die kleineren Inseln über. Hoy im Südwesten ist bergig und wild, mit hohen Klippen an der Westküste und dem Tal von Rackwick, das zu den schönsten Orten des Archipels zählt. Rousay nördlich von Mainland ist reich an steinzeitlichen Grabanlagen, die ohne Führung zugänglich sind. Auf Westray brüten im Sommer Papageitaucher an den Klippen, und zwischen Westray und Papa Westray verkehrt ein Linienflug, der als einer der kürzesten der Welt gilt. Die Inselfähren und Flüge sind klein und in der Saison gefragt, reservieren Sie deshalb rechtzeitig.
Anreise
Die kürzeste Überfahrt mit dem Auto führt von Gills Bay bei John o’ Groats nach St Margaret’s Hope. Etwas länger, dafür mit Blick auf den Old Man of Hoy, ist die Fähre von Scrabster bei Thurso nach Stromness. Von Aberdeen fährt eine Fähre über Nacht nach Kirkwall. Dazu kommen Flüge von Edinburgh, Glasgow, Aberdeen und Inverness. Wir nennen hier bewusst keine Abfahrtszeiten und Preise, weil sie sich je Saison ändern. Buchen Sie die Fähre im Sommer rechtzeitig, die Autoplätze sind begrenzt.
Fotospots auf Orkney
- Ring of Brodgar zum Sonnenuntergang, wenn die Steine lange Schatten werfen.
- Skara Brae mit der Bucht im Hintergrund.
- Yesnaby für Klippen und Brandung.
- St Magnus Cathedral bei Abendlicht auf dem roten Sandstein.
- Old Man of Hoy von Deck der Fähre aus.
Orkney lässt sich ideal mit der Nordküste verbinden. Zwei bis drei Tage reichen für Mainland, wer zusätzlich Hoy oder die nördlichen Inseln besuchen will, sollte mehr Zeit einplanen.
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Fragen und Antworten
Wie kommt man nach Orkney?
Mit dem Auto am häufigsten per Fähre ab Scrabster bei Thurso nach Stromness oder ab Gills Bay nahe John o' Groats nach St Margaret's Hope. Von Aberdeen gibt es eine längere Nachtfähre nach Kirkwall, im Sommer zusätzlich eine Passagierfähre ab John o' Groats. Außerdem fliegen Regionalflüge von mehreren schottischen Flughäfen nach Kirkwall. Fahrpläne und Preise ändern sich; prüfen Sie sie direkt bei den Fährgesellschaften.
Braucht man auf Orkney ein Auto?
Die Hauptsehenswürdigkeiten auf Mainland liegen einige Kilometer auseinander. Mit dem Auto sind sie bequem an einem Tag zu verbinden. Es gibt auch Busse und geführte Tagestouren, die ab Kirkwall und teils ab John o' Groats angeboten werden. Für die kleineren Inseln fahren Fähren zwischen den Inseln.
Kann man Skara Brae und Maeshowe ohne Reservierung besuchen?
Skara Brae ist in der Regel ohne Voranmeldung zugänglich. Maeshowe kann dagegen nur mit Führung besichtigt werden, die Plätze sind begrenzt und in der Saison schnell vergeben. Buchen Sie die Führung deshalb rechtzeitig über die Denkmalbehörde Historic Environment Scotland.
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