
Glencoe und Fort William: Tal, Berge und die Bahn nach Mallaig
Eines der eindrucksvollsten Täler Schottlands, der höchste Berg Großbritanniens und eine Bahnstrecke über das berühmteste Viadukt des Landes: die westlichen Highlands rund um Fort William.
Wer von Süden über das Rannoch Moor nach Norden fährt, erlebt einen der großen Momente einer Schottlandreise. Die Straße senkt sich, links erhebt sich die fast perfekte Pyramide des Buachaille Etive Mòr, und dann öffnet sich das Tal von Glencoe mit seinen steilen, oft wolkenverhangenen Flanken. Eine halbe Stunde weiter nördlich liegt Fort William, Ausgangspunkt für den Ben Nevis, für Fernwanderer und für die Bahnstrecke nach Mallaig.
Glencoe: das Tal
Glencoe ist ein Tal, das von einem urzeitlichen Vulkan und später von Gletschern geformt wurde. Die A82 führt mitten hindurch, sodass Sie die eindrucksvollsten Blicke schon aus dem Auto haben. Am Ostende wacht der Buachaille Etive Mòr über den Eingang ins Tal. Weiter westlich ragen auf der Südseite die Three Sisters auf, drei mächtige Bergsporne, die das Tal wie Kulissen begleiten. Auf der Nordseite zieht sich der Grat des Aonach Eagach entlang, einer der schmalsten Grate des Festlands.
Am Westende des Tals liegt das Dorf Glencoe am Loch Leven. Das Besucherzentrum des National Trust for Scotland erklärt Geologie und Geschichte und ist ein guter Startpunkt.
Das Massaker von Glencoe
Das Tal ist auch ein Ort der Erinnerung. Im Februar 1692 wurden hier Angehörige des Clans MacDonald von Regierungssoldaten getötet, die zuvor tagelang ihre Gastfreundschaft genossen hatten. Der Bruch des Gastrechts machte das Massaker in Schottland zum Sinnbild des Verrats. Ein Denkmal im Dorf erinnert daran.
Wanderungen im Tal
Die bekannteste Tour ist der Weg ins Lost Valley (Coire Gabhail), ein verborgenes Hochtal zwischen zwei der Three Sisters, in dem der Clan der Überlieferung nach Vieh versteckte. Der Weg ist kurz, aber steinig, mit einer Bachquerung, die bei Hochwasser schwierig werden kann. Leichter ist der Rundweg um Glencoe Lochan, einen kleinen See in einem Wald oberhalb des Dorfes, mit Blick auf die Berge bei ruhigem Wasser. Die Gipfel selbst sind anspruchsvolle Bergtouren und nur bei gutem Wetter mit Erfahrung zu empfehlen.
Südlich zweigt vom Talanfang eine Stichstraße ins Glen Etive ab, ein langes, einsames Tal, das an einem Meeresarm endet. Es ist ruhig, landschaftlich großartig und ein Ort, an dem man im Herbst die Hirschbrunft hören kann.
Fort William und der Ben Nevis
Fort William am Loch Linnhe ist eine praktische Kleinstadt mit Unterkünften, Läden und Ausrüstern. Sie nennt sich selbst Outdoor-Hauptstadt Großbritanniens, und das nicht ohne Grund: Hier enden der Fernwanderweg West Highland Way und beginnt der Great Glen Way nach Inverness.
Über der Stadt erhebt sich der Ben Nevis, mit 1.345 Metern der höchste Berg Großbritanniens. Von Fort William aus wirkt er unscheinbar, seine gewaltige Nordwand sieht man erst aus anderen Richtungen. Der Hauptweg auf den Gipfel beginnt im Glen Nevis. Er ist ein gut sichtbarer Pfad, aber lang und anstrengend, und das Wetter am Gipfel unterscheidet sich oft stark von dem im Tal.
Glen Nevis selbst lohnt auch ohne Gipfelambitionen. Ganz am Ende der Talstraße führt ein Weg durch eine Schlucht zu einer Wiese, an deren Ende der Wasserfall Steall Falls herabstürzt. Nördlich der Stadt bringt eine Gondelbahn Besucher auf den Nachbarberg Aonach Mòr, mit Aussicht auf das Nevis-Massiv.
Am Stadtrand liegt bei Banavie Neptune’s Staircase, eine Treppe aus acht Schleusen des Caledonian Canal, an der Boote in Stufen den Höhenunterschied überwinden.
Die Bahnstrecke nach Mallaig und Glenfinnan
Von Fort William führt die West Highland Line an die Westküste nach Mallaig. Die Strecke gilt als eine der schönsten Bahnstrecken der Welt und führt am Loch Eil entlang, über das Glenfinnan-Viadukt und an Stränden mit weißem Sand vorbei.
Das Viadukt mit seinen 21 Bögen wurde um 1900 aus Beton gebaut und ist durch Filme weltbekannt geworden. Unterhalb liegt das Glenfinnan Monument am Ufer des Loch Shiel. Es erinnert an den Moment im Jahr 1745, als Charles Edward Stuart hier zum Aufstand der Jakobiten aufrief. Vom Besucherzentrum führt ein Weg auf einen Hügel mit dem klassischen Blick auf das Viadukt.
Im Sommer fährt auf der Strecke ein Dampfzug, der Jacobite. Er ist sehr gefragt und meist weit im Voraus ausgebucht. Reguläre Züge fahren das ganze Jahr über dieselbe Strecke und sind eine gute Alternative, um die Landschaft zu erleben. In Mallaig legt die Fähre zur Isle of Skye ab.
Fotospots
- Buachaille Etive Mòr vom Ufer des River Coupall, mit dem Wasserfall im Vordergrund.
- Three Sisters von den Haltebuchten an der A82, am besten bei Wolken, die über die Grate ziehen.
- Glencoe Lochan bei Windstille mit Spiegelung.
- Glenfinnan-Viadukt vom Aussichtshügel, wenn ein Zug darüberfährt.
- Ben Nevis von Corpach über den Caledonian Canal hinweg, mit Booten im Vordergrund.
Reisedauer und Kombination
Zwei bis drei Tage reichen für Glencoe, einen Ausflug nach Glenfinnan und einen Spaziergang im Glen Nevis. Wer den Ben Nevis besteigen will, plant einen zusätzlichen Tag und einen Reservetag für das Wetter ein. Die Region verbindet sich ideal mit der Isle of Skye über Mallaig und mit Mull, Iona und Staffa über Oban.
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Fragen und Antworten
Kann man den Ben Nevis ohne Bergerfahrung besteigen?
Der Hauptweg, der Mountain Track, ist ein ausgebauter Pfad ohne Kletterstellen und wird jedes Jahr von vielen Menschen begangen. Unterschätzen sollten Sie ihn trotzdem nicht: Für Auf- und Abstieg brauchen die meisten sieben bis neun Stunden, am Gipfel ist es oft neblig, kalt und windig, und im oberen Teil kann bis in den Frühsommer Schnee liegen. Gute Kondition, Wetterkleidung, Karte und eine realistische Umkehrzeit sind Pflicht.
Wo hält man in Glencoe für Fotos an?
Die bekanntesten Aussichtspunkte sind die Haltebuchten an der A82 mit Blick auf die Three Sisters, der Parkplatz am Eingang des Glen Etive mit dem Buachaille Etive Mòr und der kleine See Glencoe Lochan oberhalb des Dorfes. Halten Sie nur auf ausgewiesenen Parkplätzen, nie auf der Fahrbahn oder in Ausweichbuchten.
Wann fährt der Dampfzug über das Glenfinnan-Viadukt?
Der Jacobite-Dampfzug zwischen Fort William und Mallaig fährt saisonal, in der Regel von Frühjahr bis Herbst. Die genauen Termine und Abfahrtszeiten veröffentlicht der Betreiber jedes Jahr neu. Daneben fahren das ganze Jahr reguläre Züge auf derselben Strecke über das Viadukt.
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